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Die Haltung der GEW zu den Abordnungen

Informationen statt Fake News: Die Haltung der GEW zu den Abordnungen

Liebe_r Kolleg_in im BV Lüneburg,

in den niedersächsischen Gymnasien gehören die grünen Blätter des Philologenverbandes zu den angestammten Auslagen im Lehrerzimmer. Meist äußern sich die Autor*innen in Wort und Schrift recht „zupackend“ zu schulpolitischen, -rechtlichen und -organisatorischen Entwicklungen mit dem Gestus, das gute alte Gymnasium zu erhalten. Dass Informationen und Aussagen des Philologenverbandes über die GEW einen besonderen Charakter haben, ist nur logisch, konkurrieren doch beide Verbände an den Schulen miteinander um Meinungen und Mitgliedschaften. Dies lässt sich in der Form des guten Argumentes erreichen. Gern werden aber auch einseitige und zuspitzende Formulierungen verwendet, die die Grenzen der geteilten Wirklichkeit deutlich überschreiten. Bei der Information, die derzeit von Seiten des Philologenverbandes kursieren, handelt es sich ohne Frage um die letztere Form: Es wird behauptet, der neue Kultusminister Grant Hendrik Tonne habe die neuerlichen Abordnungen zum 01.02.2018 „unter dem Druck der GEW“ veranlasst – mit dem Ziel, einen „Einheitslehrer“ (sic!) zu schaffen. Dieser Zusammenhang ist nicht nur unlogisch, sondern schlicht falsch – und das in mehrfacher Hinsicht. Er spiegelt hingegen sehr deutlich die in die Jahre gekommene Rhetorik Roland Neßlers wider, die Kampfphrasen und Vorurteile mit aktuellen Missständen verknüpft und sie der GEW zur Last legt.

Zur Richtigstellung:
Von Seiten der GEW und insbesondere der Fachgruppen Gymnasien und Gesamtschulen gab es zu der Frage der Abordnungen deutliche Kritik gegenüber dem Handeln von MK und Landesschulbehörde. Ausgangspunkt des Vorgehens ist eine Mangelsituation, die u.a. auf eine verfehlte Personalpolitik und auf die fehlende Attraktivität des Grundschullehramtes zurückzuführen ist. Die GEW hat dazu deutliche Forderungen aufgestellt. Niemals ist allerdings gefordert worden, die Versorgung einseitig zu Lasten der Gymnasien zu sichern! Vielmehr handelt es sich bei den Abordnungen um eine Notmaßnahme: Wie könnte eine Gewerkschaft eine solche „begrüßen“, ohne ihren eigenen Anspruch zu konterkarieren, die Interessen der Kolleg*innen zu vertreten? Dessen ungeachtet, reagiert der Dienstherr auf die faktisch mangelnde Unterrichtsversorgung im Rahmen des rechtlich Möglichen mit Abordnungen. Angesichts des bestehenden Lehrer*innenmangels, von dem insbesondere die Kinder an den Grundschulen betroffen sind, müssen wir dies notgedrungen akzeptieren.

Diese grundsätzliche Akzeptanz von Abordnungen durch die GEW ist aber an deutliche Voraussetzungen gebunden: Wir nehmen die Abordnung von Kolleginnen und Kollegen nur dann hin, wenn sie mit der Zustimmung der Betroffenen und unter Berücksichtigung der Mitbestimmung durch den Personalrat erfolgt. Ebenso wichtig ist, dass die Grundschulen in der jeweiligen Abordnung auch faktisch eine Unterstützung für den Fachunterricht sehen. Qualität und Zufriedenheit von beiden Seiten müssen vorausgehen! Ansonsten kann es besser sein, wenn keine Lösung für die Unterrichtsabdeckung gefunden wird.
Zudem muss die Abordnung auf der Grundlage eines transparenten Verfahrens erfolgen, das den Kolleginnen und Kollegen genügend Zeit lässt, sich über die Rahmenbedingungen und Konsequenzen hinreichend zu informieren und sich von den Schul- und Schulbezirkspersonalräten beraten zu lassen. Erst dann ist es möglich, im Konfliktfall gut gerüstet in die Auseinandersetzung mit Schulleitung und Schulbehörde einzutreten.

Das Chaos, das sich im letzten Schuljahr aufgrund des Handelns der Landesschulbehörde ergeben hat, haben wir deutlich verurteilt. Die GEW hat gegenüber dem MK klar artikuliert, dass wir ein angemessenes und strukturiertes Verfahren unter der Berücksichtigung der Interessen aller erwarten. Es ist den begründeten Forderungen und der Kritik der GEW und ihrer Vertreter*innen in den Schulhaupt- und Bezirkspersonalräten zu verdanken, dass die Landesschulbehörde nun einen strukturierten Zeitplan zur Umsetzung der Abordnungen entwickelt hat. Zudem sollen Kleinstabordnungen von sechs und weniger Wochenstunden nur dann umgesetzt werden, wenn die aufnehmende Grundschule hierin eine sinnvolle Unterstützung der schulischen Arbeit sieht. Wir erwarten, dass die entwickelten Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden und Landesschulbehörde sowie Schulleitung im Sinne der Fürsorgepflicht gegenüber den Lehrkräften handeln!

Wenn der Philologenverband in seinen öffentlichen Stellungnahmen aus dieser fürsorglichen und verantwortlichen Haltung der GEW gegenüber Lehrkräften und Schulen provokativ ein schulpolitisches Instrument macht, so befindet er sich mehr als auf dem Holzweg: Es liegt eine deutlich manipulative Aussage im Sinne einer „Rote Socken“-Kampagne vor. Hier wird eine schwierige Situation für alle Beteiligten – Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen – instrumentalisiert, um Ängste zu schüren und schulpolitisch Stimmung zu machen. Es ist schade, feststellen zu müssen, dass der Verband an konkreten Lösungen nicht interessiert ist.

Laura Pooth
Vorsitzende des GEW-Landesverbandes Niedersachsen

Anne Kilian & Thomas Dornhoff
Sprecher*in der Landesfachgruppe Gymnasien

HINWEIS: Auf der Website des LV findet ihr die aktuelle Ausgabe des „Betrifft Gymnasium“ zum Ausdruck und Aushang in der Schule. Das BG umfasst neben dem offenen Brief weitere wichtige Informationen zur Frage der Abordnung.

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